sei für Überwachung und Abhörschnittstellen
sensibilisiert. Und so werden viele staatliche Maßnahmen exzessiv
diskutiert, gerne werden auch die Illuminaten und die Weltverschwörung
thematisiert, die uns bereits alle permament überwachen und hirnwaschen,
Erstaunlicherweise wird trotz aller Paranoia und allem Misstrauen
gegenüber staatlichen Stellen an einer recht vitalen Ecke mit der
Vorsicht erstaunlich gespart.
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Die Existenz von Überwachungsschnittstellen ist kaum bekannt, mit
völlig unwirksamen Mitteln ("Ich hab falsche Adressdaten angegeben, ich
bin anonym") glauben gar manche User, die heutigen rechtlichen und
technischen Möglichkeiten überlisten zu können.
Seit dem ersten Januar 2005 gilt die neue Fassung der
TKÜV, die große Anbieter digitaler Kommunikationsdienste dazu
verpflichtet, für Institutionen wie den Verfassungsschutz
Abhörschnittstellen beispielsweise für den Email - Verkehr einzurichten.
Dass sich so niemand richtig dafür zu interessieren scheint, wird immer
deutlicher. In Anbetracht dessen, dass auf der Wunschliste der User für
Mailprovider vor allem Faktoren wie großes Postfach, gute
Erreichbarkeit, Spamschutz und zuvorderst pop3-Abruf genannt werden und
Anonymität bzw. erschwerter Zugriff seitens der Behörden selten genannt
werden (oder bei guten anderen Leistungen offenbar biligend in Kauf
genommen werden), scheint Information über Anonymität und
Überwachbarkeit beim Emailverkehr durchaus von Nöten zu sein.
Anbieter von Kommunikationsdienstleistungen mit mehr als 1000 Kunden
sind dazu verpflichtet, entsprechend dem Verfassungsschutz Lauschzugriff
auf die Nutzerkommunikation einzurichten. Dies führte schon zu
Veränderungen im Anbietermarkt, da die entsprechenden Lösungen von den
Anbietern selber finanziert werden müssen und entsprechend teuer sind.
In der Folge davon wurde die deutsche Version der Webmail-Software
Hivemail anläßlich der TKÜV eingestellt. Die notwendige
Überwachungsschnittstelle ist Hivemail zu teuer zu implementieren. (vgl.
hivemail.de). In der c't 26/2004 wurden Vermutungen geäußert, dass
um die Hälfte der kleinen und mittleren Provider durch die TKÜV in die
Insolvenz geschickt werden (S. 100ff.).
Vollständig ist nicht geklärt, wer unter diese 1000-Kunden-Grenze
fällt: muss ein Anbieter, der 800 Reseller hat, die wiederum jeweils 800
Usern Maildienste anbieten, überwachen (lassen)? Stand der Dinge: nein.
Ein Freemailanbieter in Deutschland mit 1001 Usern ist jedoch in der
Regel von Rechts wegen verpflichtet, dem Verfassunsgschutz eine
Abhörschnittstelle zur Verfügung zu stellen, mittels der die
Mailkommunikation der User zeitnah und unbemerkt überwacht werden
kann.Klar ist beispielsweise weiterhin, dass der Betreiber eines eigenen
Mailservers mit 20 Adressen nicht überwachen (lassen) muss. Ein kleines
Hostingpaket bei hosting xxl mit 10 Mailadressen hingegen wird überwacht
werden können, da hier hosting xxl der eigentliche Anbieter der Maildienste
ist - mit im ganzen deutlich über 1000 Kunden.
Große Anbieter wie webspace-billiger.com und hosting xxl mussten ihre
Abhörschnittstellen inzwischen eingerichten. Deutsche Firmen wie webmail-24.com oder freemail-24.de
räumen in ihren AGBs ein, eine "Überprüfung des Inhalts der empfangenen
und gesendeten sowie auf dem Server gespeicherten E-Mails nur auf
Grundlage der gesetzlichen Regelungen" durchzuführen. Entsprechende
gesetzliche Regelungen sind inzwischen in Kraft.
Zu Sinn und Unsinn dieser Verordnung, welche Kriminelle, die sich
ohnehin auf starke Kryptografie wie
PGP
verlassen und/oder gleich außereuropäische Mailhoster oder eigene Server
verwenden, muss man sich kaum streiten. User, die ihre Privatsphäre beim
Mailen wahren wollen und nicht sofort mit PGP auffahren wollen, sollten
sich jedoch in Zukunft entsprechende Gedanken beim Wahl ihres
Mailproviders machen. Hier wollen wir einen - völlig unvollständigen -
Überblick über einige von der TKÜV nicht direkt betroffene Anbieter
geben und einige Beispiele für die völlig unterschiedliche
Datenherausgabe-Politik geben. Der interessierte User sollte sich danach
leichter für seine Auswahlkriterien und dann für den neuen Anbieter
seiner Wahl entscheiden können.
Anonyme Freemail Anbieter
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Verschlüsselnde Anbieter
Hushmail
Funktionsweise: Hushmail
verfolgt einen sehr interessanten Ansatz, der von vorneherein darauf
ausgelegt war, dem TKÜV - Äquivalent in den USA,
Carnivore, keinen Zugang zu den Mailinhalten zu geben.
Konsequenterweise wird der Kontakt zur Webseite ausschließlich
verschlüsselt per https geführt. Hushmail arbeitet mit DSA nach Diffie/Hellmann,
wobei der öffentliche wie auch der geheime Schlüssel auf den Servern von
Hushmail abgelegt sind. Kryptopuristen werden bei diesem Ansatz mit den
Zähnen knirschen, sollte doch der private Schlüssel geheim gehalten
werden. Hushmail verschlüsselt dafür die Passphrase, mit der der geheime
Schlüssel angewendet werden kann, clientseitig per Java. Wer sich die
technischen Details näher ansehen will, findet in diesem
PDF-Dokument die detailierte Erklärung zum Hushmailsystem.
Mit anderen Hushmail-Usern kommuniziert der User mittels
2048-Bit-DSA-Verschlüsselung. Ein Angriff auf die Passphrase ist
denkbar, dürfte aber bei gut gewählter Passphrase vergleichsweise
schwierig sein. Kommuniziert man unverschlüsselt mit anderen Usern,
fällt dieser Vorteil weg - die Mail wird wieder zum
Postkartenäquivalent, welches von jeder Stelle zwischen Sender und
Empfänger gelesen werden kann. Ist der Empfänger bei einem der TKÜV
unterworfenen Anbieter, besteht prinzipiell wieder die Möglichkeit der
Überwachung.
Features: Im kostenlosen
Account inbegriffen sind ein 2 MB großes Postfach (32 MB für
$2,49/Monat), dieses jedoch mit der Möglichkeit zur sicheren
Verschlüsselung, welche sich explizit gegen das Carnivore - System der
US - Regierung richtet. Verwendet man die Verschlüsselung, können selbst
die Hushmail-Mitarbeiter selber die Mail nicht lesen. POP Acces gibt es
keinen, IMAP ist kostenpflichtig, per POP3 - Sammeldienst können jedoch
externe Postfächer abgehoöt werden.
Zusammenfassung: Der
konsequenten Verschlüsselung mittels PGP auf dem heimischen Rechner ist
Hushmail natürlich unterlegen. Für Hushmail spricht jedoch, dass sie mit
einer eher geringen - und unumgänglichen - Sicherheitseinbuße ein von
überall her einfach nutzbares Kommunikationssystem anbieten, welches
spätestens bei der Kommunikation von zwei Hushmailusern untereinander
eine Überwachung extrem aufwändig macht.
Infos:
https://www.hushmail.com/help-faqs
Anmeldung:
https://www.hushmail.com/login-signup
SAFe-mail
Funktionsweise: SAFe-mail
arbeitet intern mit asymmetrischer Verschlüsselung, wenngleich die
Details im Vergleich zu Hushmail eher knapp beschrieben werden - den
Usern wird neben ihren public/private Keypaaren auch noch ein digitales
Zertifikat ausgestellt, mittels der sie die Echtheit ihrer Mailadresse
nachweisen können. Die Kommunikation läuft komplett über https (Webmail)
oder ssl (pop3/IMAP/SMTP) verschlüsselt ab. Spätestens beim Versenden an
eine externe Mailadresse stellt sich wieder das Problem, dass spätestens
dort Informationen im Klartext vorliegen.
Features: Kostenlos erhält
der User ein 3 MB großes Postfach, welches er per Webmail, pop3 oder
IMAP und SMTP benutzen kann.
Zusammenfassung: Die interne
Verschlüsselung wird weniger klar erläutert als bei Hushmail. Weiterhin
behält sich SAFe-mail vor, gegebenenfalls mit den Behörden zu
kooperieren - dass die TKÜV bei einer israelischen Firma angewendet
wird, ist zwar nicht zu erwarten, dennoch gefällt hier Hushmails klar
gegen Carnivore gerichtete Philosophie besser. Die Probleme bei der
unverschlüsselten Kommunikation mit Dritten bestehen bei SAFe-mail wie
bei allen anderen Providern auch.
Infos, Signup und Privacy:
http://www.safe-mail.net
Nicht verschlüsselnde Anbieter
bigmailbox.com
Allgemeines: Bigmailbox soll
hier weniger als anonymer Mailanbieter vorgestellt werden, sondern als
Beispiel für ein Vertriebsmodell für Mailaccounts, welches große
Verbreitung besitzt, dessen Auskunftsfreudigkeit dabei jedoch übersehen
werden könnte. Als reiner Webmailanbieter mit 4 MB Platz dürfte er für
ernsthafte Schreiber weniger interessant sein. Bigmailbox.com bietet
sowohl selber Emailaccounts an als auch Partnerprogramme für Webmaster,
die ihren Usern wiederum eigene Mailaccounts anbieten wollen. Ergebnis
ist eine Reihe von freien Emailprovidern, welche unter
unterschiedlichsten Namen Mailaccounts von bigmailbox.com vermitteln.
Unter den Anbietern sind Namen wie 37.com, music.com, eminemfans.com
oder vitalogy.org.
Funktion und Privatheit:bigmailbox.com
ist ein rein webbasierter Emailanbieter. Benutzerdaten und -profile
können an Dritte weitervertrieben werden, die Profile werden auch von
bigmailbox selbst zum gezielten Werben verwendet. Features: 4 MB
Mailspeicher, weder pop/IMAP noch SMTP.
Zusammenfassung: Man gibt die
Rechte an den eingegebenen Daten bei der Anmeldung weitestgehend auf.
Beginnend mit anonym eingeblendeter zielgruppenspezifischer Werbung,
stimmt man im Folgenden auch der Weitergabe aller personenbezogenen
Daten zu, die man angegeben hat. Auf unsere Anfrage, ob und wie
gesetzliche Stellen unter Berufung auf welches Recht an Benutzerdaten
und Mailinhalte kommen könnten, wurde in der Antwort zwar eingeräumt,
dass direkt keine Daten herausgegeben werden könnten - "...however we do
comply fully and swiftly to every request submitted by an officially
recognized legal entity." Die "offiziell anerkannten legalen
Institutionen", deren Wünschen gern und vollständig entsprochen wird,
müssen sich vermutlich nicht auf die USA beschränken. Diesbezüglich
dürfte mit dem Angebot von bigmailbox.com vor allem deutlich werden, wie
wichtig es inzwischen ist, die entsprechenden Privacy/Security -
Informationen der Anbieter genau zu lesen.
Infos mit umfangreicher Liste an
Daten, die von bigmailbox.com weitergegeben werden:
http://www.bigmailbox.com/privacy.html
Anmeldung:
http://www.bigmailbox.com
gawab.com
Allgemeines: gawab.com bietet
seit über 4 Jahren Mailadressen an und kann so als etablierter Anbieter
gelten. Mit über 2 Millionen Usern verfügt er über einen
ernstzunehmenden Kundenstamm und bietet sowohl für einzelne User wie
auch für Webmaster Emailaccounts und -dienste an.
Funktion und Privatheit:
gawab.com bietet sowohl Webmail als auch pop3/SMTP - Mailboxen kostenlos
an. Die Privacyvereinbarung beinhaltet die Nichtweitergabe der
Userangaben, die ausschließlich anonym ausgewertet und für entsprechende
Werbung durch gawab.com selbst genutzt wird. Auf Antrag werden
Benutzerdaten den Behörden zugänglich gemacht. Rechtlich bindend ist
diese Erklärung nur für die US-amerikanischen Behörden.
Features: 1001 MB im
Webmail-, 15 MB im pop3/SMTP-Account.
Privacy Statement:
http://www.gawab.com/webfront/main.php?doc=privacy
Anmeldung:
http://www.gawab.com/
hotPOP
Allgemeines: Auch HotPOP ist
bereits seit 1998 am Markt und kündigt explizit an, auf Kontinuität zu
setzen. Über Werbung finanziert können die Benutzer pop3/SMTP - Accounts
gratis nutzen.
Funktion und Privatheit:
HotPOP gibt keine persönlichen Informationen an Dritte weiter, wenn es
ihnen nicht ausdrücklich erlaubt wurde. Sie treten als "Mittelsmann"
zwischen Usern und Werbekunden auf - userbezogene Werbung wird
eingeblendet, entsprechende Profile aber nur bei ausdrücklicher
Genehmigung durch die User weitergegeben. Rechtlich behalten sich HotPOP
die Möglichkeit vor, Daten weiterzuleiten, wenn dies "gesetzlich
vorgeschrieben" ist. Dies bezieht sich auf die US - Gesetzgebung. HotPOP
scheinen Wert auf die Aufklärung ihrer User in Bezug auf ihre
Persönlichkeitsrechte und Datenschutz zu legen: als einzige hier
betrachtete Seite weisen sie beispielsweise auf die Seiten der
Electronic
Frontier Foundation und anderer Bürgerrechtsgruppen im Netz hin.
Features: 10 MB im pop3/SMTP-Account,
Mailgröße 500kB max., Möglichkeit zur Nutzung verschiedener Aliasse
Privacy Statement:
http://hotpop.com/privacy.jsp
Anmeldung:
http://hotpop.com/signup.jsp
Abschliessendes
Nachdem flächendeckend bei den großen deutschen Mailanbietern
Überwachungsschnittstellen eingepflegt wurden, scheint es angebracht,
sich für manche vertrauliche Kommunikation Mailanbieter anzuschaffen,
welche einerseits nicht zum Abhören durch deutsche Institutionen
verpflichtet sind und weiterhin Wert auf ihr Image als vertrauenswürdige
Hüter der Kommunikation ihrer User legen. Optimal sind hierbei natürlich
Anbieter, die es dem User leicht machen, selbst den Zugriff des
Dienstbetreibers selbst von vorne herein zu unterbinden. Die
paranoideren unter den Usern werden sich weiterhin mit der Zeit Gedanken
machen, inwieweit sie ihre eigene Anonymität dadurch gefährden, indem
sie mit leicht zu überwachenden Usern per Email kommunizieren. Für diese
Anlässe eine sichere Mailbox zu haben, könnte mit der Zeit eine immer
bessere Idee werden.
Entsprechend sollte man sich einerseits nichteuropäische Anbieter
aussuchen, deren Privacystatements wenig Interesse an der Zusammenarbeit
mit ausländischen Behörden erkennen lassen. Dabei darf man neben den
entsprechenden Erklärungen weitere Statements nicht ausser Acht lassen -
ein Anbieter, der die Sicherheit der Kommunikation seiner User beteuert,
aber auf der anderen Seite bereitwillig Informationen an Werbetreibende
verkauft, wird wenig glaubwürdig sein.
Es ist zuletzt zu raten, dass man sich sich in den Feedbackbereichen
der Anbieter umtut - beispielsweise
eo.yifan.net als chinesischer Anbieter wäre zwar ein interessanter
Kandidat für einen Mailanbieter, der sich wenig um deutsche
Überwachungsverordnungen kümmern muss. Ausfälle, Spamprobleme und
fehlender Support werden aber im entsprechenden Forum diskutiert und
raten zum frustrationsvermeidenden Weitersuchen nach besseren Anbietern.
Dass grundsätzlich aber schlicht eine weitere
Verbreitung von PGP bzw. GnuPG auf den heimischen Rechnern wünschenswert
wäre, um den Datenhunger der Ermittler zu bremsen, scheint kaum
umstritten.
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